Notepad++ 8.9.6.1 ist ein wichtiges Security-Update: Die Version behebt drei Schwachstellen, darunter zwei Fehler, die unter bestimmten Bedingungen beliebige Codeausführung über manipulierte XML-Konfigurationen ermöglichen können. Betroffen sind Notepad++-Versionen bis einschließlich 8.9.6.
Wichtig für die Einordnung: Das ist nicht derselbe Vorfall wie das Notepad++ Update-Hijacking aus Februar 2026. Damals ging es um die Update-Infrastruktur und den Updater WinGUp. Die neuen Lücken betreffen lokale beziehungsweise benutzernahe Konfigurationsdateien wie config.xml und shortcuts.xml.
Sofortmaßnahmen in 30 Minuten
- 1
Versionen erfassen
Notepad++-Versionen per EDR, MDM oder Softwareinventar erfassen.
- 2
Aktualisieren
Alle Versionen bis 8.9.6 auf 8.9.6.1 oder neuer aktualisieren.
- 3
Settings stichprobenartig prüfen
%APPDATA%\Notepad++\config.xml und shortcuts.xml bei kritischen Rollen stichprobenartig prüfen.
- 4
Telemetrie aktivieren
EDR/SIEM-Abfragen für ungewöhnliche Child-Prozesse von notepad++.exe aktivieren.
Was ist passiert?
Am 26. Mai 2026 wurde Notepad++ 8.9.6.1 veröffentlicht. Laut Release-Hinweisen behebt die Version drei sicherheitsrelevante Probleme: einen Crash durch fehlerhaft formatierte COPYDATASTRUCT-Daten sowie zwei Schwachstellen zur Codeausführung über XML-Konfigurationen.
Behobene Schwachstellen in 8.9.6.1
| CVE | Komponente | Risiko | Fix |
|---|---|---|---|
| CVE-2026-48778 | config.xml | Codeausführung über den konfigurierbaren commandLineInterpreter | 8.9.6.1 |
| CVE-2026-48800 | shortcuts.xml | User-Command-Injection über manipulierte User Defined Commands | 8.9.6.1 |
| CVE-2026-48770 | WM_COPYDATA | Crash beziehungsweise lokale Denial-of-Service-Situation | 8.9.6.1 |
Cyber Security News hebt besonders CVE-2026-48778 hervor: Der Wert commandLineInterpreter aus config.xml wurde bislang ohne ausreichende Validierung in den Ablauf übernommen, der beim Öffnen des enthaltenden Ordners in einer Shell zum Einsatz kommt. Das GitHub-Advisory bewertet CVE-2026-48778 mit CVSS 7.8 und ordnet die Schwachstelle als CWE-78 ein.
CVE-2026-48778: Codeausführung über config.xml
Der erste kritische Pfad betrifft die Datei config.xml im Notepad++-Profil. Dort konnte der Wert für den commandLineInterpreter manipuliert werden. Wenn der Nutzer anschließend in Notepad++ die Funktion zum Öffnen des aktuellen Ordners in einer Shell verwendet, kann statt des erwarteten Interpreters ein Angreifer-kontrolliertes Programm gestartet werden.
Das klingt zunächst lokal und unspektakulär, ist aber in der Praxis relevant: Viele Entwickler- und Admin-Workstations nutzen Notepad++ als tägliches Werkzeug. Wenn ein Angreifer denselben Benutzerkontext bereits teilweise kontrolliert oder den Settings-Pfad über eine bösartige Verknüpfung beziehungsweise Cloud-Synchronisation beeinflusst, wird aus einer Konfigurationsdatei ein Ausführungspfad.
CVE-2026-48800: Risiko in shortcuts.xml
CVE-2026-48800 folgt einem ähnlichen Muster, betrifft aber shortcuts.xml. In dieser Datei speichert Notepad++ unter anderem benutzerdefinierte Befehle. Wenn dort Kommandos manipuliert werden, können legitime Menü- oder Shortcut-Aktionen unerwartet externe Programme starten. Heise beschreibt diesen zweiten Pfad als Command-Injection-Risiko in den User Defined Commands.
Die 8.9.6.1-Änderungen führen laut Community-Diskussion Warnungen beziehungsweise Einschränkungen für nicht vertrauenswürdige Ausführungsorte ein. Vertrauenswürdig sind dabei insbesondere klassische Windows- und Program-Files-Verzeichnisse; für Tools in anderen Pfaden kann das zu zusätzlichen Nachfragen führen.
Realistische Angriffswege
Für eine belastbare Risikobewertung ist wichtig, wie ein Angreifer die XML-Dateien überhaupt manipulieren könnte. Das GitHub-Advisory nennt für CVE-2026-48778 mehrere plausible Wege: direkte Schreibrechte im Benutzerprofil, eine bösartige .lnk-Verknüpfung mit -settingsDir=, kompromittierte Cloud-Synchronisation oder Social Engineering über Archive, die Dateien an erwartbaren Pfaden ablegen.
Welche Umgebungen sollten zuerst reagieren?
| Prio 1 | Prio 2 | Prio 3 |
|---|---|---|
| Admin-Workstations, SOC, Helpdesk, Entwickler, Systeme mit privilegierten Tokens oder Zugriff auf Quellcode und Secrets. | Clients mit OneDrive, Dropbox, Roaming Profiles, geteilten Notepad++-Settings oder häufiger Archiv-/Download-Verarbeitung. | Standard-Clients ohne privilegierte Nutzung. Trotzdem patchen, aber nach den exponierten Rollen. |
Betroffenheit prüfen
Die wichtigste Frage ist nicht nur, ob Notepad++ installiert ist, sondern welche Version und welcher Settings-Pfad verwendet werden. In zentral verwalteten Umgebungen liefern EDR, MDM, Softwareverteilung oder ein Vulnerability Scanner meist schneller Antworten als manuelle Prüfungen.
- Version: Alle Installationen bis einschließlich 8.9.6 priorisiert aktualisieren.
- Settings-Pfad: Prüfen, ob Notepad++ Standardpfade,
-settingsDir=, Roaming Profiles oder Cloud-Pfade nutzt. - Dateien:
config.xmlundshortcuts.xmlauf unerwartete Interpreter, HTTP-Aufrufe oder Pfade außerhalb vertrauenswürdiger Verzeichnisse prüfen. - Telemetrie: Prozessketten suchen, bei denen
notepad++.exeungewöhnliche Programme startet.
Bei einzelnen Clients reicht oft der Blick in Hilfe > Über Notepad++. Für Unternehmen ist ein Report sinnvoller: Welche Systeme sind noch auf 8.9.6 oder älter, welche davon haben privilegierte Nutzer, und welche verarbeiten regelmäßig fremde Dateien?
Patchen: Notepad++ 8.9.6.1 oder neuer
Die klare Maßnahme ist ein Update auf Notepad++ 8.9.6.1 oder neuer. Nutzen Sie den offiziellen Download, GitHub Releases oder eine intern freigegebene Paketquelle. Gerade nach dem Notepad++-Update-Hijacking Anfang 2026 sollte der Download-Pfad nicht improvisiert werden.
Kontrollierter Rollout-Ablauf
- 1
Paket beziehen & prüfen
8.9.6.1-Paket aus offizieller Quelle beziehen und Hash/Signatur prüfen.
- 2
Freigeben
Paket in Softwareverteilung oder MDM freigeben.
- 3
Prio-1 zuerst
Prio-1-Gruppen zuerst aktualisieren.
- 4
Nachkontrollieren
Nach dem Rollout Versionen erneut inventarisieren.
- 5
Portable Kopien beachten
Portable Kopien und Tools-Verzeichnisse nicht vergessen.
Monitoring und Hardening
Ein Patch schließt die konkrete Lücke. Trotzdem lohnt es sich, die zugrundeliegende Kontrollfrage dauerhaft zu beantworten: Welche Office-, Editor- und Admin-Tools dürfen aus welchen Konfigurationsdateien heraus Programme starten?
- Child-Prozess-Monitoring: Alarmieren, wenn
notepad++.exeungewöhnliche Programme aus Temp-, Download- oder Benutzerprofilpfaden startet. - Settings kontrollieren: Geteilte oder cloud-synchronisierte Settings nur nutzen, wenn Integrität und Zugriff klar geregelt sind.
- Least Privilege: Notepad++ nicht dauerhaft in privilegierten Sessions oder mit Admin-Rechten verwenden.
- App Control: In kritischen Bereichen nur signierte und freigegebene Binaries aus vertrauenswürdigen Pfaden ausführen lassen.
- Awareness: Bösartige Shortcuts und manipulierte Settings-Verzeichnisse gehören in die Schulung für Admins und Entwickler.
Incident Response bei Verdacht
Eine veraltete Notepad++-Version ist noch kein Kompromittierungsbeweis. Wenn aber auffällige XML-Konfigurationen, ungewöhnliche Child-Prozesse oder verdächtige Shortcut-Dateien gefunden werden, sollte die Untersuchung strukturiert erfolgen.
- Host isolieren, falls aktive Ausführung oder Folgeaktivität sichtbar ist.
config.xml,shortcuts.xml, LNK-Dateien, Prozessbaum und relevante EDR-Artefakte sichern.- Benutzerkontext, Schreibzeitpunkte und Sync-Quellen rekonstruieren.
- Ausgeführte Binaries hashen und gegen interne Allowlist sowie Threat-Intel-Quellen prüfen.
- Bei privilegierten Benutzern Tokens, Zugangsdaten und betroffene Repositories beziehungsweise Admin-Systeme in die Bewertung einbeziehen.
Abgrenzung zum Update-Hijacking
Der Notepad++-Kontext ist 2026 besonders sensibel, weil bereits im Februar ein gezielter Supply-Chain-Vorfall über die Update-Infrastruktur bekannt wurde. Dieser ältere Vorfall ist unter CVE-2025-15556 geführt und wurde unter anderem mit dem Double-Lock-Design in Version 8.9.2 adressiert.
Die neuen Schwachstellen sind anders gelagert: Sie setzen an Konfigurationsdateien an und verlangen lokale beziehungsweise benutzernahe Manipulation plus eine nachfolgende Aktion. Für Unternehmen führt beides aber zur gleichen operativen Konsequenz: Notepad++ gehört ins normale Patch-, Inventory- und Detection-Programm, nicht in die Kategorie „kleines Tool, kümmern wir uns später“.
FAQ zu Notepad++ 8.9.6.1
FAQ zu Notepad++ 8.9.6.1
Welche Notepad++-Version behebt CVE-2026-48778 und CVE-2026-48800?
Ist das derselbe Vorfall wie das Notepad++ Update-Hijacking aus Februar 2026?
Wie kritisch ist CVE-2026-48778 in der Praxis?
Was sollten Unternehmen zuerst tun?
Quellen
- Cyber Security News: Critical Notepad++ Vulnerabilities Allow Attackers to Execute Arbitrary CodeCyber Security News, Guru Baran, 28.05.2026
- Notepad++ release 8.9.6.1Notepad++ Community, 26.05.2026
- Notepad++ v8.9.6.1 downloadNotepad++ Projekt, offizieller Download
- GitHub Security Advisory: Arbitrary Code Execution via "commandLineInterpreter" of config.xmlGitHub Security Advisory, CVE-2026-48778, 26.05.2026
- heise online: Notepad++ – Gaps allow injection of malware and commandsheise online, 28.05.2026
- Impress Watch: Notepad++ v8.9.6.1 behebt Schwachstellen in config.xml und shortcuts.xmlImpress Watch, 28.05.2026
- Six Eight Consulting: Notepad++ Update-Hijacking – CVE-2025-15556 und aktuelle PatchesSix Eight Consulting, aktualisiert am 28.05.2026